Google warnt: Finger weg von gekauften Markenerwähnungen

Tom Brigl  –

Veröffentlicht:

02.06.2026,

Letzte Aktualisierung:

02.06.2026
Inhaltsverzeichnis

Es gibt Momente in der SEO-Welt, in denen ein Satz von einer großen Plattform alles verändern kann. Genau so ein Moment war es, als Gary Illyes von Google erneut vor dem Kauf oder der Manipulation sogenannter Markenerwähnungen gewarnt hat – also künstlich erzeugte Erwähnungen im Netz, die den Eindruck erwecken sollen, eine Marke sei überall im Gespräch. Vielleicht erinnerst du dich an die Zeit vor dem Google Penguin Update? Da war’s ähnlich: Viele nutzten zweifelhafte Linkbuilding-Services, bis plötzlich der große Absturz kam. Und genau das droht jetzt wieder, nur in einem moderneren, AI-getriebenen Kontext.

Warum Google plötzlich wieder so deutlich warnt

Bei einem Event in Sydney im Mai 2026 hat Gary Illyes das Thema direkt angesprochen. Der Hintergrund: Ein bekanntes KI-Tool hatte angefangen, seine Nutzer damit zu ködern, dass man Markenerwähnungen automatisiert kaufen könne – und zwar mit dem ausdrücklichen Ziel, in Google’s AI Overviews oder in Antworten von ChatGPT und Co. häufiger aufzutauchen. Klingt clever? Vielleicht auf den ersten Blick. Doch wer Google kennt, weiß, dass solche „Abkürzungen“ selten lange gutgehen.

Illyes sagte, dass Google und sein Team stark davon abraten, solche Erwähnungen zu kaufen oder zu manipulieren. Die Begründung war ziemlich klar: Googles Systeme erkennen unechte Muster – genauso wie sie es bei gekauften Links tun – und ignorieren oder entwerten sie komplett. Sprich: Das Geld ist rausgeworfen, und wer Pech hat, riskiert sogar, langfristig Vertrauen zu verlieren.

Interessant ist, dass Gary gleichzeitig einräumte, er sei sich gar nicht sicher, wie stark „echte“ Erwähnungen überhaupt Einfluss auf AI-Antworten hätten. Und das ist ein spannender Punkt: Selbst Google scheint noch nicht ganz zu wissen, wie all diese Systeme zusammenspielen. Trotzdem warnt man ausdrücklich vor dem Versuch, das System zu überlisten. Ein bisschen so, als würde man sagen: „Wir wissen noch nicht genau, wie das wirkt – aber wer mogelt, verliert auf jeden Fall.“

Was Google mit „inauthentischen Mentions“ genau meint

In Googles eigener Optimierungsanleitung für generative KI findet sich ein Abschnitt, der fast schon kryptisch klingt: „Seeking inauthentic mentions“, also das Streben nach unechten Erwähnungen. Gemeint sind Inhalte im Stil von Blogposts, Forendiskussionen oder Videos, die nur darauf ausgelegt sind, eine Marke häufiger zu nennen – ohne echten Mehrwert, ohne organische Relevanz.

Google selbst schreibt dazu, dass diese Praxis nicht hilfreich sei. Stattdessen konzentrieren sich die Systeme auf hochwertige Inhalte und darauf, Spam herauszufiltern. Das gilt für die klassische Suche genauso wie für KI-generierte Zusammenfassungen. Anders gesagt: Wenn du versuchst, Google auszutricksen, kämpfst du gegen ein engmaschiges Netz aus Spam-Filtern, Qualitätsbewertungen und AI-Mechanismen, die in Zukunft nur noch sensibler werden.

Die Parallelen zur Linkbuilding-Ära

Man muss ehrlich sagen: Diese Entwicklung ist fast déjà-vu-artig. Früher hieß es einfach „Backlinks kaufen“, heute heißt es „Markenerwähnungen pushen“. Doch die Idee ist dieselbe – und der Ausgang vermutlich auch. Viele alte Hasen dürften sich noch an die Vor-Penguin-Zeit erinnern, als Agenturen mit großen Versprechen wie „1000 Links in einer Woche“ lockten. Und dann kam irgendwann der Tag X, an dem ganze Websites über Nacht aus den Rankings verschwanden.

Aus meiner Erfahrung kommen solche Rückschläge immer dann, wenn etwas „zu gut funktioniert“. Wenn du also plötzlich siehst, dass dein Unternehmen überall erwähnt wird, ohne dass du wirklich etwas dafür getan hast, lohnt sich ein genauer Blick. Denn Google mag schnelle, organisch gewachsene Signale – aber keine künstlich hergestellten Netzwerke. Mit AI und lernenden Systemen ist die Erkennung solcher Muster heute noch leichter als damals.

Ein Beispiel aus der Praxis

Eine befreundete Agentur aus Deutschland experimentierte kürzlich mit einem Service, der angeblich Erwähnungen in Foren und Blogs automatisiert platzieren konnte. Anfangs sah das Ergebnis erstaunlich gut aus – der Markenname tauchte plötzlich in unzähligen Threads auf, meist recht positiv. Nach drei Wochen kam dann der Knall: Die Sichtbarkeit in zentralen Bereichen von Search und AI-Overviews sank deutlich, teilweise waren Inhalte komplett verschwunden. Der Anbieter? Unerreichbar. Google hatte offensichtlich gemerkt, dass da etwas nicht stimmt.

Das Beispiel zeigt: Nur weil etwas kurzfristig funktioniert, bedeutet es nicht, dass es nachhaltig ist. Und das Thema „Nachhaltigkeit“ zieht sich wie ein roter Faden durch die aktuelle SEO-Diskussion.

Was wirklich zählt: Echte Erwähnungen

Das Gegenteil von Manipulation ist natürlich Authentizität. Und hier geht’s – wie immer – um Vertrauen. Echte Erwähnungen entstehen, wenn du gute Arbeit leistest, relevante Produkte anbietest und Menschen (oder Medien) freiwillig über dich sprechen. Das braucht Geduld, manchmal auch Glück, aber es bildet langfristig eine solide Basis, auf der du deine AI-Sichtbarkeit aufbauen kannst.

Viele unterschätzen übrigens, wie stark Kontext und Relevanz in AI-Systemen wirken. Eine zufällige Marken-Nennung irgendwo in einem obskuren Forum ist praktisch wertlos. Aber eine sinnvolle Erwähnung in einem gut besuchten Blog, dessen Publikum thematisch passt – das hat Gewicht. Google erkennt diese thematische Nähe sehr genau, und AI-Modelle übernehmen solche Signale ebenfalls, wenn sie Antworten generieren. Insofern gilt: Qualität schlägt Quantität, heute mehr denn je.

Wie du organische Mentions fördern kannst

Aus meiner Sicht sind drei Dinge entscheidend:

  • Baue echte Beziehungen zu Content-Erstellern auf – Blogger, Youtuber, Podcaster. Wer dich kennt, erwähnt dich lieber.
  • Schaffe Mehrwert – nicht für Suchmaschinen, sondern für Menschen. Wenn dein Produkt oder Content nützlich ist, kommen Erwähnungen von selbst.
  • Tracke Erwähnungen, aber manipuliere sie nicht – Tools wie Brand24 oder Mention helfen dir zu verstehen, wo du wirklich stattfindest, und das ist Gold wert.

Spannend ist übrigens, dass viele SEOs aktuell versuchen, durch KI-generierte Inhalte Aufmerksamkeit zu bekommen – und vergessen, dass die Menschen hinter den Inhalten letztlich entscheidend sind. Authentizität lässt sich nicht automatisieren. Jedenfalls noch nicht.

Warum diese Warnung wichtiger ist, als sie klingt

Ein Detail, das viele übersehen: Google spricht hier nicht nur von sich selbst, sondern erwähnt explizit auch andere AI-Systeme wie ChatGPT oder Claude. Das ist neu. Bisher war die Kommunikation immer sehr Google-zentriert. Jetzt aber wird deutlich, dass sich diese Such- und Antwortsysteme irgendwann gegenseitig beeinflussen könnten. Das bedeutet: Wenn du heute versuchst, ein System zu manipulieren, kann das theoretisch Spuren in anderen Plattformen hinterlassen – eine Art Dominoeffekt.

Das Risiko ist also doppelt. Nicht nur, dass du in Googles AI-Overviews keine Rolle mehr spielst – du könntest auch bei großen Sprachmodellen weniger Gewicht bekommen, wenn deine Marke mit unnatürlichen Mustern assoziiert wird. Und das wäre ein langfristiges Problem für Sichtbarkeit und Vertrauen.

Der psychologische Faktor

Ich habe selbst mit Marketern gesprochen, die dieses Thema anfangs unterschätzt haben. Viele denken, sie könnten ein bisschen „testen“, ohne erwischt zu werden. Aber so funktionieren moderne Systeme nicht mehr. Jeder Spike, jeder unnatürliche Anstieg an Erwähnungen wird analysiert. Algorithmen schauen sich Muster, Quellenqualität und semantische Zusammenhänge an – das ist weit mehr, als klassisches Linkbuilding damals konnte. Ein KI-System sieht eben nicht nur, dass über dich gesprochen wird, sondern auch, wie über dich gesprochen wird. Und das ergibt ein ziemlich klares Bild darüber, ob etwas echt ist oder nicht.

Was das langfristig für dich bedeutet

Ich weiß, es klingt mühsam, aber langfristig führt kein Weg an organischem Wachstum vorbei. Wenn du möchtest, dass AI-Systeme deine Marke erwähnen, brauchst du ein Fundament aus Vertrauen, Expertise und regelmäßigem Mehrwert. Das lässt sich nicht kaufen, auch wenn es verlockend klingt. Und ganz ehrlich – es ist auch besser so. Denn diese Mechanismen verhindern, dass Marketing irgendwann zu einem reinen Wettrüsten der Budgets verkommt.

Wenn du also das nächste Mal auf LinkedIn oder in deinem Postfach ein Angebot à la „Schnelle AI-Sichtbarkeit durch Markenerwähnungen“ siehst – klick nicht sofort. Frag dich lieber: Würde Google das gut finden? Und falls du unsicher bist: Die Antwort lautet fast immer nein.

Ein persönliches Fazit

Aus meiner Sicht ist das Thema „inauthentische Erwähnungen“ ein Symptom eines größeren Problems: Wir suchen ständig nach Abkürzungen, anstatt langfristig zu denken. Dabei ist der Weg klar: Wer auf Qualität, Glaubwürdigkeit und echte Beziehungen setzt, wird langfristig gewinnen – egal ob in der klassischen Suche oder in der AI-Welt. Alles andere ist nur ein kurzfristiger Trick mit absehbarem Ende.

Ich würde sogar sagen, dass dieser Wandel eine Chance ist. Endlich geht es wieder stärker um Inhalte, Expertise und die Stimmen echten Mehrwerts. Wer das versteht, braucht keine künstlichen Erwähnungen. Seine Marke wird ohnehin genannt – weil sie es verdient.

Tom Brigl

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