Google hat seine Merchant Center Produktdaten-Spezifikationen aktualisiert – und das in mehreren Phasen, die sich über fast ein Jahr erstrecken. Einige Änderungen traten bereits Mitte April 2026 in Kraft, andere folgen im Juni 2026 und schließlich wird Anfang 2027 eine weitere Welle an Anpassungen greifen. Wenn du im E-Commerce aktiv bist und deine Produkte über das Merchant Center bewirbst, betrifft dich das unmittelbar. Ich habe mir diese Änderungen genau angesehen, weil sie einerseits technische Feinheiten betreffen, andererseits aber auch einen großen Einfluss darauf haben können, wie deine Produkte in der Google-Suche und in Google Shopping erscheinen.
Der Kern dieser Anpassungen liegt in drei Bereichen: neue Versandattribute, ein neues Video-Feature für Produktdarstellungen und verschärfte Anforderungen an Bildqualität. Ich möchte dir im Folgenden nicht nur erklären, was auf dich zukommt, sondern auch, warum Google genau diese Änderungen einführt – und wie du sie aus meiner Sicht am besten nutzt.
Die Änderungen vom 14. April 2026
Hier hat Google die erste Runde an Anpassungen eingeleitet – und sie betrifft im Wesentlichen Versandinformationen und Medien-Inhalte.
Neue Versandattribute, mehr Kontrolle auf Produktebene
Bisher konntest du im Merchant Center viele Versandparameter nur auf Kontoebene definieren, also zentral für alle Angebote. Jetzt erlaubt Google dir, bestimmte Details auch auf Produktebene zu hinterlegen. Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit, ist aber aus Marketingsicht ein echter Fortschritt, weil du differenzierter steuern kannst.
Zum Beispiel wurde das Attribut [handling_cutoff_time] eingeführt. Das bedeutet, du kannst eine tägliche Deadline für die Bearbeitung von Online-Bestellungen definieren. Wenn du also sagst, alle Bestellungen bis 14 Uhr werden noch am selben Tag verschickt, kannst du das jetzt sauber abbilden. Für Shops mit schnellem Fulfillment ist das eine feine Sache – du kannst deine „Same-Day“-Versprechen schlichtweg transparenter machen.
Zusätzlich gibt es das neue [minimum_order_value]-Attribut, um Mindestbestellwerte direkt in den Produktdaten anzugeben. Auch das wurde bislang allgemein im Versandbereich geregelt, jetzt geht das gezielt pro Artikel. Damit können Händler vermeiden, dass beispielsweise günstige Kleinteile unprofitabel verschickt werden.
Besonders interessant ist die Erweiterung des [shipping]-Attributs durch Unterattribute:
- [loyalty_program_label]
- [loyalty_tier_label]
Mit diesen Angaben kannst du Versandvorteile für Mitglieder von Treueprogrammen markieren. Das klingt erstmal nach etwas, das nur große Marken betrifft, aber gerade kleinere Anbieter mit Bonus- oder Punktesystemen profitieren hier. Google möchte offenbar stärker personalisierte Angebote unterstützen.
Und ehrlich gesagt: Ich finde diesen Schritt clever. In Zeiten, in denen Nutzererwartungen immer individueller werden, ist es konsequent, den Datenstandard flexibler zu machen.
Neues „Video Link“-Attribut – mehr Möglichkeiten zur Produktpräsentation
Eine zweite wichtige Neuerung ist das optionale [video_link]-Attribut. Damit kannst du zu jedem Produkt ein oder mehrere Videos einreichen, die dein Produkt im Einsatz zeigen. Die Idee ist klar: Kunden sollen nicht nur Fotos sehen, sondern erleben, wie ein Artikel tatsächlich wirkt. Ob Kleidung in Bewegung, ein Werkzeug in Aktion oder ein Gadget im Alltag – Videos geben einfach ein realistisches Bild.
Zum Start ab April konnten Händler ihre Videolinks bereits einreichen. Allerdings hat Google die technische Prüfung (also die Validierung) und die eigentliche Anzeige dieser Videos erst für Juni 2026 geplant. Fehlerberichte zu fehlerhaften Links werden aber schon jetzt ausgegeben.
Aus meiner Erfahrung ist das eine dieser Änderungen, die zunächst harmlos klingen, aber mittelfristig einen Unterschied bei den Klick- und Conversion-Raten machen werden. Produkte mit Video werden visuell ansprechender dargestellt – und wer schon einmal bei Amazon gesehen hat, wie viel stärker Videos dort konvertieren, kann sich denken, wohin die Reise geht.
Der zweite Schwung: Juni 2026
Ab dem 30. Juni 2026 beginnt Google mit der tatsächlichen Ausspielung der Produktvideos – alle Angebote mit [video_link]-Angabe werden dann aktiv unterstützt. Das Merchant Center prüft ab diesem Datum automatisch:
- Ob die Videos den Inhaltsrichtlinien entsprechen,
- Ob die Qualität ausreichend ist,
- Und ob es technische Fehler gibt.
Videos, die Qualitäts- oder Richtlinienprobleme aufweisen, werden nicht angezeigt. Der Rest der Produktanzeige bleibt aber aktiv. Das finde ich wichtig: Schlechte Videos blockieren also nicht automatisch das gesamte Angebot.
Falls du mehrere Videos einreichst, solltest du aber sicherstellen, dass sie sauber produziert sind: keine Werbeeinblendungen, keine fremden Markenrechte verletzen, keine irreführenden Sequenzen. Google will dadurch das Einkaufserlebnis konsistenter machen – was im Umkehrschluss bedeutet, dass minderwertiger Content künftig eher nachteilig wirkt.
Im Merchant Center sollst du alle Hinweise dann im Bereich „Needs attention“ finden. Ich habe mir diesen Bereich schon in anderen Kontexten (z. B. bei Preisangaben) angesehen, und meist ist es erstaunlich detailliert dokumentiert, wo der Fehler liegt. Also ruhig regelmäßig reinschauen.
Die große Umstellung Anfang 2027: Bildqualität und KI-Optimierung
Der dritte Block an Änderungen betrifft ein klassisches Thema: Bilder. Das ist seit Jahren ein Dauerbrenner, weil Google immer stärker auf visuelle Qualität setzt – und das völlig zu Recht.
Ab dem 31. Januar 2027 gelten für alle Produktbilder in den Attributen [image_link] und [additional_image_link] neue Mindestauflösungen:
500 × 500 Pixel – und das über sämtliche Produktkategorien hinweg.
Google hatte bislang leicht unterschiedliche Anforderungen, je nach Kategorie oder Werbeformat. Jetzt wird vereinheitlicht – was die Arbeit im Hintergrund eher erleichtert. Wenn alle Bilder diesen Standard erfüllen, ist klar: alles, was kleiner ist, fällt durch.
Bereits ab April 2026 bekommst du Warnungen im Merchant Center, falls deine Bilder zu klein sind. Die vollwertige Durchsetzung (also echte Ablehnungen) beginnt dann im Januar 2027. Google gibt dir damit also fast neun Monate Vorlauf.
Ich finde diesen Zeitraum recht großzügig, besonders, wenn du viele alte Produktfeeds oder dynamische Bildquellen hast. Trotzdem lohnt es sich, frühzeitig zu prüfen, wo es hapert. Eigentlich reicht ein einfacher Feed-Export und eine Filterung nach Bildgrößen, um die schwachen Stellen zu finden.
Automatische Bildoptimierung durch Google
Ein besonders spannender Punkt ist, dass Google selbst aktiv wird, um kleinere Bilder automatisch zu optimieren. Das passiert auf zwei Wegen:
- Durch Abgleich mit hochauflösenden Duplikaten
- Oder mithilfe von KI-basiertem Upscaling
Das heißt, Google nimmt sich dein vorhandenes Bild, rechnet es mit neuronalen Netzwerken hoch und überprüft, ob das Ergebnis den Qualitätsanforderungen entspricht. Wenn ja, wird das optimierte Bild verwendet – ohne dass du etwas tun musst.
Ich persönlich finde das bemerkenswert, weil damit eine Art Schutzmechanismus eingebaut wird: Deine Produkte werden nicht sofort abgelehnt, nur weil deine Bilder zu klein sind. Aber – und das ist wichtig – diese automatisiert verbesserten Bilder werden im Merchant Center mit einem Hinweis markiert („optimiertes Bild“). Wenn du wieder ein eigenes, ausreichend großes Bild einreichst, wird Googles Version automatisch ersetzt.
Das ist elegant gelöst, auch wenn man natürlich bedenken sollte, dass KI-Upscaling visuelle Artefakte erzeugen kann. Besonders bei Texturen oder kleinen Schriften im Bild kann das leicht unnatürlich wirken. Es ist also sicherer, eigene hochwertige Aufnahmen zu liefern.
Warum Google das alles macht
Wenn man all diese Dinge zusammennimmt – neue Versandattribute, Videos, bessere Bilder –, erkennt man eine klare Linie: Google richtet das Merchant Center stärker auf Nutzererfahrung und Transparenz aus.
Die Plattform soll nicht nur Produktdaten sammeln, sondern die Qualität der Darstellung auf ein einheitlich hohes Niveau bringen.
Das ist kein Zufall. Google steht im Wettbewerb mit Retail-Marktführern wie Amazon oder TikTok Shop. Diese Plattformen leben von visuell optimierten Einkaufserlebnissen. Ein Google-Suchergebnis mit lieblosen Bildern oder fehlenden Details fällt dagegen ins Hintertreffen.
Darum machen diese Standards Sinn. Gleichzeitig schiebt Google Verantwortung ein Stück weit an die Händler: Wer visuell arbeitet, wird bevorzugt dargestellt; wer nur minimalden Feed pflegt, gerät ins Hintertreffen.
Ich würde sogar sagen: Merchant Center entwickelt sich von einem reinen Produktdaten-Upload-Tool zu einer Art visueller Schaufenstersteuerung. Du steuerst nicht nur, was angeboten wird, sondern wie es wirkt.
Was du konkret tun solltest
Wenn du dein Merchant Center professionell betreust, solltest du spätestens in den nächsten Wochen eine Checkliste erstellen:
-
Versandlogik prüfen:
Lege fest, ob du produktspezifische Cutoff-Zeiten brauchst. Viele nutzen dafür ohnehin ERP-Systeme, deren Daten du in den Feed übernimmst. -
Treueprogramm-Labels vorbereiten:
Falls du ein Loyalty-System hast, weise die entsprechenden Produktvorteile aus. Diese Information könnte künftig auch algorithmisch in Googles Oberfläche ausgespielt werden (ähnlich wie „Prime“-Labels bei Amazon). -
Videos erstellen oder kuratieren:
Selbst einfache 10‑Sekunden-Clips können riesige Wirkung haben. Verwende saubere Beleuchtung, neutrale Hintergründe, zeig echte Anwendungsszenarien. -
Bildgrößen angleichen:
Alles unter 500 × 500 Pixel ersetzen. Idealerweise arbeitest du gleich mit 800 × 800 Pixeln oder mehr – so bist du auch für künftige Standards sicher. -
Merchant Center Alerts aktiv beobachten:
Der Abschnitt „Needs attention“ wird künftig dein wichtigster Frühwarnmechanismus sein.
Ein kleiner Blick hinter die Strategie
Google spricht selten offen über seine Motive, aber man kann die Richtung ahnen.
Das Merchant Center ist längst kein isoliertes Tool mehr – es speist Performance Max-Kampagnen, Shopping Ads, kostenlose Produkteinträge und sogar Discover- oder Image-Suchergebnisse.
Wenn überall dieselben strukturierten Mediendaten verwendet werden, profitiert das gesamte Ökosystem. Gleichzeitig wird es für dich schwieriger, sichtbare Abweichungen oder Tricks einzubauen – wie etwa zu grelle Thumbnails oder kontrastreiche Rahmen, um Aufmerksamkeit zu gewinnen. Google korrigiert das zunehmend algorithmisch.
Aus meiner Sicht ist das durchaus ambivalent. Einerseits zwingt es alle zu professionellem Output, andererseits wird die Darstellung dadurch etwas gleichförmiger. Als Händler kannst du dich also weniger über Stil oder Layout abheben – du musst über Content-Qualität punkten: bessere Fotos, bessere Storys, bessere Videos.
Fazit
Wenn du das Merchant Center aktiv nutzt, wirst du mit diesen Änderungen leben müssen – aber: Sie bringen auch echte Vorteile, wenn du sie klug einsetzt. Google zeigt damit, wohin sich Produktdarstellungen im Suchökosystem entwickeln: visuell, datenreich und nutzerzentriert.
Mich erinnert das Ganze an die frühen Jahre von Google Shopping, als das Format noch „Froogle“ hieß. Damals war alles Text. Heute hast du ein hybrides Interface aus Bildern, Versandangaben, Rezensionen, Video-Thumbnails – im Grunde eine halbe Landingpage im Suchergebnis.
Und genau dafür schafft Google mit diesen Spezifikationsänderungen die Grundlage.
Wenn du die neuen Attribute rechtzeitig einarbeitest, deine Bilder aufpolierst und Videos lieferst, hast du 2026 und 2027 einen sichtbaren Vorteil gegenüber denjenigen, die erst auf die Pflichtsetzung im Januar warten.
Ich würde dir raten, früh loszulegen. Denn alles, was du jetzt implementierst, ist nicht nur ein Punkt auf Googles Checkliste – es formt deine Markenwahrnehmung dort, wo Kunden ihre Kaufentscheidung treffen. Und das ist am Ende das, worum es wirklich geht.







