Einzigartige Inhalte erstellen: So punktest du bei Google

Tom Brigl  –

Veröffentlicht:

26.04.2026,

Letzte Aktualisierung:

26.04.2026
Inhaltsverzeichnis

Es gibt Momente, in denen Google deutlicher spricht, als man es gewohnt ist. Neulich, auf einer Veranstaltung in Toronto, hat Danny Sullivan genau das getan. Er sprach darüber, wie wichtig es ist, Inhalte zu schaffen, die einzigartig, authentisch und – das ist der entscheidende Punkt – nicht „austauschbar“ sind. Dieser Ausdruck, „Commodity Content“, hat seitdem für viel Gesprächsstoff gesorgt. Und zu Recht, denn dahinter steckt etwas sehr Grundsätzliches: Google will nicht mehr von Textwüsten überschwemmt werden, die alle das Gleiche sagen. Es will Stimmen hören, die wirklich etwas zu sagen haben.

Was bedeutet eigentlich „Commodity Content“?

Wenn man ehrlich ist, haben wir alle solche Texte schon gelesen. Diese „10 Tipps für mehr Reichweite auf Instagram“ oder „Was du beim Kauf neuer Laufschuhe beachten musst“. Sie lesen sich nett, sind korrekt, aber eben auch seelenlos. Sie wirken, als hätte jemand ChatGPT mit einem Leitfaden gefüttert und dann den ersten Entwurf ohne Nachdenken veröffentlicht. Genau das ist Commodity Content – also Inhalte, die austauschbar sind, überall vorkommen könnten und keinerlei originäre Perspektive bieten.

Nach Sullivan ist das Gegenteil davon „non-commodity content“ – also Inhalte, die Substanz haben, einen eigenen Charakter und erkennbar aus Erfahrung oder wirklicher Expertise entstanden sind. Für Google heißt das: Wenn du willst, dass deine Texte langfristig sichtbar bleiben, musst du ihnen etwas Einzigartiges mitgeben. Klingt banal, ist aber schwerer umgesetzt, als es auf den ersten Blick scheint.

Drei Kriterien, die über den Unterschied entscheiden

1. Einzigartig – Dein Standpunkt zählt

Ein einzigartiger Text muss etwas bringen, was andere nicht liefern können – sei es eine Perspektive, eine eigene Erfahrung, Zahlen, die du selbst erhoben hast, oder eben einfach deine ganz persönliche Sichtweise. Leser (und Suchmaschinen) merken schnell, ob du wirklich was zu sagen hast oder nur versuchst, bekannte Aussagen neu zu verpacken. Es geht nicht darum, das Rad neu zu erfinden. Aber du solltest wenigstens ein Stück Gummi selbst gegossen haben, wenn du es schon beschreibst.

2. Spezifisch – Keine Gießkanne, sondern Fokus

Die meisten schwachen Texte scheitern daran, dass sie alles und nichts sagen. Sie geben allgemeine Ratschläge, anstatt sich einem konkreten Fall zu widmen. Sullivan meint: Guter Inhalt entsteht dort, wo du in die Tiefe gehst. Schreib lieber über ein Beispiel, das du erlebt hast, oder erklär, wie du ein Problem in der Praxis gelöst hast. Diese Spezifik bringt Glaubwürdigkeit – und sie macht Texte greifbarer. Wenn du in einem Beitrag über „Marketingstrategien für Startups“ sprichst, erzähl, wie du konkret eine Kampagne optimiert hast. Das wirkt.

3. Authentisch – Eigenes Wissen schlägt Theorie

Google liebt Inhalte, die nach echtem Wissen klingen – das ist kein Zufall. Das Suchsystem versucht, Kompetenz zu erkennen. Wenn du aus deiner Praxis erzählst, Verweise auf echte Projekte machst oder einfach ehrlich schreibst („das hat bei uns nicht funktioniert, und das war der Grund“), fühlt man die Unterschiede. Authentizität ist in Zeiten von KI-Texten fast schon das wertvollste Qualitätsmerkmal.

Praktische Beispiele – was Google meint

Um zu zeigen, was das in der Praxis bedeutet, brachte Sullivan ein paar anschauliche Beispiele aus verschiedenen Branchen. Ich habe sie mir angesehen, und sie sind wirklich aufschlussreich.

Ein Laufschuhgeschäft

Ein klassischer Blogbeitrag wie „Top 10 Tipps für den Kauf neuer Laufschuhe“ ist typischer Commodity Content. Er fasst bekannte Hinweise zusammen – Dämpfung, Fußgewölbe, Größe, alles schon hundertmal gelesen. Dagegen steht der Ansatz: „Warum die Schuhe eines Kunden nach 400 Meilen auseinanderfielen – eine Analyse des Abnutzungsmusters.“ Das ist komplett anders. Es zeigt Beobachtung, Fachkenntnis und Neugier. Du bringst echte Einsicht, nicht recycelte Ratschläge. Und Google erkennt das.

Ein Immobilienmakler

„Tipps für den ersten Hauskauf“ ist ebenfalls so ein Standardthema – nützlich, aber leblos. Viel spannender wäre ein Beitrag wie: „Warum wir auf die Hausinspektion verzichtet haben – und dennoch 15.000 Dollar sparten.“ Das klingt nach Risiko, Entscheidung, Ehrlichkeit. Und der Kniff: Der Makler erzählt dazu, dass er selbst die Abwasserleitung inspizierte und erkannte, dass sie aus PVC, nicht Beton bestand. Das ist Expertise, die keine KI nachbauen kann. Solche Details machen den Unterschied.

Ein Innenarchitekt

Bei Designern funktioniert das genau so. „Küchentrends 2024“ – klar, schön bebildert, aber absolut generisch. Anstelle dessen ein Beitrag wie: „Warum ich für eine Familie mit drei Kleinkindern keine Marmorarbeitsplatte eingebaut habe.“ Das ist greifbar, persönlich und lehrreich. Noch besser, wenn du ein kurzes Video mit Tests zeigst – Wein, Traubensaft, Kurkuma. Das bleibt hängen. Genau das ist einer dieser Momente, wo Google sagt: Das ist nicht austauschbar.

Warum das Thema gerade jetzt so relevant ist

Viele spüren es bereits: KI hat die Content-Welt verändert. Nie war es einfacher, Texte zu produzieren, die oberflächlich korrekt wirken. Und nie war es schwieriger, sich damit von der Masse abzuheben. Google reagiert darauf mit stetig verfeinerten Bewertungssystemen, die versuchen, „echten“ Content von maschinell generiertem zu trennen. Natürlich ist das noch nicht perfekt – aber die Richtung ist klar.
Wenn du rein generische Inhalte veröffentlichst, riskierst du inzwischen, dass sie schlicht ignoriert werden.

Ich sehe das auch bei eigenen Projekten: Früher konnte man mit sauberem Onpage-SEO und einem soliden Text recht schnell Rankings erzielen. Heute reicht das nicht mehr. Ohne echten Mehrwert – also eine Perspektive, konkrete Erfahrungen, visuelle Belege – bleibst du unsichtbar. Oder, schlimmer noch, landest in der Content-Wüste zwischen anderen 0815-Artikeln.

Wie du „Non-Commodity Content“ entwickelst

Der Trick ist nicht, mehr zu schreiben, sondern gezielter. Du musst dich fragen: Was kann ich beitragen, das niemand sonst in meiner Branche genau so sagen kann? Diese Frage bringt dich automatisch zu Inhalten, die Substanz haben. Ein paar Gedanken, die sich in der Praxis bewährt haben:

  • Eigene Beobachtungen einbauen. Wenn du Daten hast, selbst kleine – nutze sie. Inhalte mit echten Zahlen oder Ergebnissen wirken sofort glaubwürdiger.
  • Bilder oder Videos aus der Praxis. Ein Foto vom Arbeitsplatz oder ein kleiner Clip, der zeigt, wie ein Prozess funktioniert, spricht mehr als zehn Absätze Theorie.
  • Mut zur Meinung. Es ist okay, Dinge anders zu sehen. Sag ruhig, warum du einen Trend nicht mitmachst oder eine Empfehlung kritisch siehst. Diese Kanten machen dich sichtbar.
  • Reduziere Allgemeinplätze. Wenn du beim Schreiben merkst, dass du Sätze wie „Es ist wichtig, authentisch zu sein“ schreibst – stopp. Zeig lieber, was Authentizität bei dir bedeutet.

Ein befreundeter Texter sagt immer: „Wenn du denkst, du bist zu konkret, bist du meist gerade konkret genug.“ Das trifft es gut.

Ein Wort zu KI – Freund oder Feind?

Google stellt sich nicht grundsätzlich gegen KI-Tools. Sullivan betonte sinngemäß, dass KI hilfreich sein kann – wenn sie als Assistenz genutzt wird, nicht als Autor. Mit anderen Worten: Verwende sie ruhig, um Ideen zu finden oder Strukturen zu entwickeln. Aber lass sie nicht den Ton bestimmen, denn der ist meistens glatt, standardisiert, eben – du ahnst es – austauschbar.

Ich nehme KI selbst manchmal als Sparringpartner her, aber der Kern, das wahrhaft Menschliche, muss von dir kommen. Deine Erfahrung, deine Emotionen, dein Dreck unter den Fingernägeln – das erkennt man im Text. KI kann das (noch) nicht.

Das SEO-Paradox: Optimieren, aber nicht überoptimieren

Ein weiterer Punkt, den Sullivan betonte: SEO ist nicht mehr bloß Technik. Gute Inhalte entstehen mit einer durchdachten Strategie – nicht nur für Algorithmen, sondern für echte Nutzer. AI-SEO, wie er es nannte, dreht sich deshalb zunehmend um Content-Strategie. Also: Welche Expertise du abbildest, wie du Geschichten strukturierst und wie viel Erfahrung du in einen Text einfließen lässt.

Viele Marketer neigen dazu, alte SEO-Gewohnheiten zu lange zu bewahren: Keywords zählen, Meta-Descriptions sortieren, interne Links akkurat setzen. Das ist alles wichtig – aber es genügt nicht. Es ist, als würdest du ein Haus mit perfektem Fundament bauen, aber ohne Möbel. Die Struktur steht, aber niemand möchte drin wohnen. Erst das, was du wirklich erzählst, gibt deinem Auftritt Leben.

Was das für dich konkret heißt

Wenn du Inhalte veröffentlichst – egal, ob Blog, Produktseiten oder Social Posts – frag dich bei jedem Beitrag: Würde ich das selbst spannend finden? Würde ich das speichern oder teilen? Wenn du innerlich zögerst, brauchst du wahrscheinlich mehr Tiefe.

Ich habe über die Jahre viele Fälle gesehen, bei denen Unternehmen sich mit generischem Content monatelang abmühten, um dann plötzlich eine kleine Serie persönlicher Erfahrungsberichte zu starten – und zack, Sichtbarkeit explodierte. Diese Texte sind schwer planbar, aber sie sind echt. Und das zählt.

Ein Beispiel aus meiner Erfahrung

Vor ein paar Jahren betreute ich eine Handwerksfirma. Wir haben Dutzende Beiträge über „Tipps für Renovierungen“ veröffentlicht – kein einziger davon brachte nennenswerten Traffic. Dann schrieben sie einen Beitrag über einen alten Kunden, der sein Badezimmer selbst verfliesen wollte, es schiefging, und wie der Betrieb es sauber ausbesserte. Das war keine Werbung, sondern eine ehrliche Geschichte über Fehler und Lösungen. Google mochte’s, Leser auch. Weil’s echt war.

Der Unterton: Google will Mut sehen

Zwischen den Zeilen steckt etwas sehr Spannendes: Google scheint bewusst Autoren fördern zu wollen, die sich trauen, Perspektive zu zeigen. Diese Entwicklung passt zu den jüngsten Anpassungen im Ranking-System, das Erfahrungswerte („Experience“) stärker gewichtet. Das ist auch logisch – wenn Millionen KI-generierter Texte entstehen, wird das Authentische zum knappsten Gut.

Es erinnert ein bisschen an das Comeback des Handwerks: Jahrzehntelang galt Massenproduktion als Ideal, heute feiern wir Maßanfertigung, kleine Serien, lokale Manufakturen. Im digitalen Raum passiert das Gleiche – Content als Handarbeit gewinnt wieder an Wert.

Was dich davon abhalten wird – und warum du’s trotzdem tun solltest

Der größte Gegner dieser Entwicklung ist Bequemlichkeit. Es ist einfacher, Listenartikel zu erstellen, als echte Recherche zu betreiben oder eine Tiefenanalyse zu schreiben. Aber langfristig zahlt sich der Aufwand aus. Nicht nur für SEO, sondern auch für Glaubwürdigkeit. Google ist im Grunde nur der Spiegel deiner Beziehung zum Publikum: Wenn du ihnen wirkliche Einsichten gibst, belohnt dich das System.

Das erfordert manchmal Mut: eigene Meinung, subjektive Einschlüsse, vielleicht sogar ein bisschen Angreifbarkeit. Aber ehrlich gesagt – genau das macht Texte liebenswert.

Fazit: Schreib für echte Menschen, nicht für Maschinen

Am Ende läuft alles auf einen einfachen Gedanken hinaus: Google will genau das fördern, was Nutzer ohnehin bevorzugen. Nicht den perfekten, generischen Text, sondern etwas, das hängen bleibt. Wenn du schreibst, wie du sprichst, wenn du dich traust, zu zeigen, was du erlebt hast – dann machst du automatisch das Richtige. Der Algorithmus ist nur der technische Ausdruck dieses menschlichen Prinzips.

Und falls du dich fragst, wie du beginnst: Fang klein an. Nimm einen deiner bestehenden Artikel und ersetze abstrakte Aussagen durch konkrete Erlebnisse. Erzähl, was du gesehen, gelernt oder falsch gemacht hast. Du wirst merken – der Text atmet plötzlich.

Oder, um’s mit einem Satz zu sagen: Schreibe nicht, um Google zu gefallen – schreibe so, dass Google gar keine andere Wahl hat, als dich gut zu finden.

Tom Brigl

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