Es ist schon eine Weile her, dass Google die sogenannten „Read More“-Links in den Suchergebnissen eingeführt hat. Diese kleinen, aber auffälligen Erweiterungen unterhalb der üblichen Snippets sollen den Nutzerinnen und Nutzern ermöglichen, direkt zu jenen Tiefenabschnitten einer Seite zu springen, die sie wirklich interessieren. Und nun hat Google endlich etwas veröffentlicht, was viele Webmaster und SEO-Profis sich schon länger gewünscht haben: konkrete Best Practices, also Empfehlungen, wie du deine Seiten so gestalten kannst, dass diese zusätzlichen Links wahrscheinlicher erscheinen. Klingt simpel? Ist es im Prinzip auch – aber wie so oft bei Google steckt der Teufel im Detail.
Was ich an diesen Neuerungen spannend finde, ist der Gedanke dahinter: Google will die User Experience vereinfachen, ohne die Kontrolle komplett aus der Hand zu geben. „Read More“-Links sind gewissermaßen ein Versuch, Suchergebnisse etwas modularer zu machen – wie kleine Inhaltsverzeichnisse, die direkt im Suchfenster auftauchen. Für Websites kann das, wenn es richtig gemacht wird, ein echter Boost bei den Klickzahlen sein.
Was genau steckt hinter den „Read More“-Links?
Wenn du schon einmal in den Suchergebnissen einen Textauszug gesehen hast, unter dem zwei oder drei zusätzliche klickbare Links mit kleinen Ankern auftauchen, dann kennst du das Prinzip. Diese Mini-Links führen nicht auf eine völlig neue Seite, sondern direkt zu einem bestimmten Abschnitt derselben Seite. Google erkennt also die Struktur deiner Inhalte und nutzt sie, um den Nutzer schneller an sein Ziel zu bringen. Das macht die Darstellung deiner Website in den Suchergebnissen dynamischer und oft auch vertrauenswürdiger – weil Nutzer sehen, dass da Substanz dahintersteckt.
Aber natürlich passiert das nicht zufällig. Der Algorithmus braucht Signale, die ihm helfen, zu verstehen, wie deine Seite aufgebaut ist. Und genau hier kommen die Best Practices ins Spiel, die Google nun in seinen Entwicklerhinweisen erklärt hat. Es sind im Grunde nur drei zentrale Punkte, aber jeder einzelne davon kann entscheidend sein, ob deine Seite diese Zusatzlinks bekommt – oder eben nicht.
1. Inhalte müssen sofort sichtbar sein
Google betont ausdrücklich: Alles, was zu einem solchen Deep-Link führen soll, muss für Menschen sofort sichtbar sein. Wenn du also beispielsweise wichtige Abschnitte in aufklappbaren Akkordeons, Tabs oder hinter Schiebereglern versteckst, dann ist das für Google grundsätzlich problematisch. Der Crawler mag technisch darauf zugreifen können, aber er bevorzugt Inhalte, die auch einem Besucher beim Laden der Seite direkt ins Auge fallen. Das ist ein wichtiger Unterschied – „sichtbar“ bedeutet hier nicht nur, dass der Text im HTML steht, sondern dass er auch real angezeigt wird, ohne dass man erst klicken oder scrollen muss.
Menschen nehmen sichtbare Inhalte anders wahr, und Google spiegelt diese Wahrnehmung wider. Wenn du also z. B. FAQ-Abschnitte oder zusätzliche Erklärungen in Tabs ausgelagert hast, lohnt es sich, zu prüfen, ob diese Struktur wirklich notwendig ist. Manchmal kann ein statisch angezeigter Textabschnitt gleichermaßen professionell wirken – und hat gleichzeitig den Vorteil, dass Google ihn sauber als möglichen Ankerpunkt erkennt.
2. Kein JavaScript, das den Scrollpunkt kontrolliert
Der zweite Punkt klingt technischer, ist aber nicht minder wichtig: Vermeide es, durch JavaScript beim Laden der Seite die Scrollposition zu verändern. Du kennst das vielleicht: Manche Webseiten springen beim Laden zuerst an eine bestimmte Stelle – z. B. nach oben oder auf ein Bild. Für den Nutzer mag das harmlos aussehen, aber für Google kann es bedeuten, dass das sogenannte „Deep Linking“ nicht richtig funktioniert. Wenn der Link eigentlich auf Abschnitt B zeigen soll, JavaScript aber die Seite erzwingt, zu Abschnitt A zu scrollen, dann geht der Mechanismus kaputt. Der Nutzer landet am falschen Punkt, und Google registriert das als unsauberen Anker.
Ich erinnere mich an mehrere Kundenprojekte, wo genau dieses Verhalten Probleme verursachte. Manchmal hatte ein Entwickler eine kleine Scroll-Animation eingebaut, damit die Seite „eleganter“ aufging – visuell hübsch, aber SEO-technisch katastrophal. Das zeigt wieder einmal, dass Design und Funktion oft in einem Spannungsfeld stehen. Wenn du also „Read More“-Links optimal nutzen willst, sorge dafür, dass der Nutzer (und der Bot) direkt dort landet, wo der Link hinzeigt. Keine Skripte, die heimlich nachjustieren.
3. Finger weg von Hash-Änderungen ohne Grund
Der dritte Punkt betrifft alle, die sich im Code wohler fühlen: Wenn du sogenannte History-API-Aufrufe oder Änderungen an der window.location.hash verwendest, musst du darauf achten, den Hash-Teil der URL nicht zu löschen. Warum? Weil genau dieser Teil für Deep Linking verantwortlich ist. Ein Hash in einer URL – also das „#section2“ oder ähnliches – ist das, was Browser (und Google) benutzen, um gezielt zu einem bestimmten Abschnitt zu springen. Entfernst du ihn oder überschreibst ihn beim Laden, hat der Link keine Wirkung mehr.
Ich habe das in der Praxis oft gesehen, vor allem bei Single-Page-Anwendungen oder Frameworks wie React oder Vue. Diese verändern intern den Verlauf oder „säubern“ manchmal URLs, um sie hübscher aussehen zu lassen. Dabei geht aber häufig mehr kaputt, als man denkt. Wenn du willst, dass Google deine Abschnittslinks versteht, sollte der Hash bestehen bleiben – und genau dorthin führen, wo der Inhalt steht.
Warum das Ganze überhaupt wichtig ist
Natürlich kann man sagen: „Na und, ob da jetzt ein Link mehr oder weniger steht?“ Aber unterschätz das nicht. „Read More“-Links sind kleine Aufmerksamkeitsschleusen. Sie verlängern dein Snippet visuell, machen es informativer und erhöhen nachweislich die Klickrate. Nutzer werden neugieriger, wenn sie direkt erkennen, dass auf deiner Seite mehrere relevante Themenpunkte liegen. Es ist ein bisschen so, als würdest du schon in der Vorschau eine Mini-Gliederung deiner Inhalte anbieten – und das wirkt professionell.
Ein Beispiel: Stell dir vor, du hast einen Artikel über gesundes Kochen. Mit den „Read More“-Links könnte Google direkt auf Unterpunkte wie „Rezepte ohne Zucker“, „Tipps zum Meal Prep“ oder „Einkaufslisten für Einsteiger“ verlinken. Wenn nun jemand diese Suchbegriffe eintippt, bekommt er exakt den passenden Sprungpunkt angezeigt. Die Folge: Dein Eintrag in der Ergebnisliste nimmt mehr Raum ein, sieht strukturierter aus und lädt zu mehr Klicks ein.
In meinen Augen zeigt sich darin ein klarer Trend: Google will, dass Inhalte nicht nur informativ, sondern auch navigierbar sind. Und wer das frühzeitig versteht, kann davon profitieren, bevor es alle tun.
Wie du prüfen kannst, ob deine Seite dafür geeignet ist
Ich rate immer dazu, sich die eigene Seite mit dem Blick eines Crawler-Bots anzuschauen. Du kannst Tools wie den Google-Inspektor, Screaming Frog oder ähnliche verwenden, um herauszufinden, welche Abschnitte tatsächlich indexiert werden. Wenn du siehst, dass deine H-Struktur sauber aufgebaut ist (H2, H3 usw.) und keine relevanten Inhalte versteckt sind, hast du schon einen guten Start.
Ein anderer Trick: Prüfe den Quelltext ohne Styles und ohne Skripte. Das klingt altmodisch, kann aber erhellend sein. Wenn deine Seite dann kaum noch lesbar ist oder große Textabschnitte fehlen, weißt du, dass du einiges umstellen solltest. Google liest im Prinzip denselben Rohcode wie du – also hilf ihm, sich zu orientieren.
Typische Stolperfallen
Es gibt ein paar klassische Fehler, die ich immer wieder sehe, und sie sind alle vermeidbar:
- Navigationselemente sind mit denselben IDs versehen wie Inhaltsbereiche – das kann Deep Links verwirren.
- Abschnittsüberschriften erscheinen mehrfach mit identischen Texten; Google erkennt dann nicht, welche gemeint ist.
- JavaScript generiert dynamisch Content nach dem Seitenstart – dieser erscheint Google unter Umständen gar nicht.
Wenn du das alles im Griff hast, erfüllst du bereits die technischen Voraussetzungen. Danach geht es eher um Feintuning und Nutzererfahrung.
Wie sich das auf SEO und Klickverhalten auswirkt
Ich will ehrlich sein: Nicht jede Seite wird von diesen Links profitieren. Wenn deine Inhalte extrem kurz sind oder keine klar strukturierte Themenaufteilung besitzen, erzeugt Google schlicht keine geeigneten Subpunkte. Andererseits: Bei längeren, in sich gegliederten Texten – wie Leitfäden, Tutorials oder FAQs – sind die Chancen sehr hoch. Und gerade dort bringen sie auch am meisten.
Die Klickwahrscheinlichkeit steigt, weil Nutzer entscheiden können, welche Unterfrage sie am meisten interessiert. Anstatt auf dein Haupt-Snippet zu klicken und dann zu suchen, scrollen sie direkt zur passenden Stelle. Das wirkt komfortabel – und genau dieses Gefühl von Komfort belohnt Google zunehmend.
Ich habe in den letzten Monaten einige Seiten beobachtet, bei denen die Einführung klar definierter Abschnittsanker zufällig mit einem Sprung in den CTR-Werten zusammenfiel. Natürlich kann man nie sicher sagen, dass allein die „Read More“-Links dafür verantwortlich waren, aber die Korrelation ist auffällig. Im SEO-Alltag zählt eben jeder kleine Vorteil, und hier scheint einer zu liegen.
Ein paar Gedanken zur Zukunft dieser Funktion
Google experimentiert ständig mit der Darstellung von Suchergebnissen. Manchmal verschwinden Features nach Monaten wieder, andere bleiben Jahre bestehen und werden erweitert. Ich persönlich rechne damit, dass diese „Read More“-Deep-Links bestehen bleiben – und vielleicht noch stärker integriert werden. Denk nur an die mögliche Kombination mit KI-generierten Overviews: Dort könnten strukturierte Unterpunkte aus Websites direkt in zusammengefasste Antworten übernommen werden. Wer seine Inhalte klug gliedert, erhöht also nicht nur die Chancen auf Zusatzlinks, sondern auch auf Sichtbarkeit in sogenannten „AI Previews“ oder „SGE“-Elementen.
Was du jetzt tun kannst
Wenn du deine Seiten verbessern willst, geh Schritt für Schritt vor:
- Überprüfe alle Hauptseiten, ob wichtige Inhalte eventuell hinter Tabs oder Dropdowns liegen.
- Benenne Abschnitte eindeutig mit aussagekräftigen Überschriften – Google liebt Klarheit.
- Vermeide unnötige JavaScript-Routinen, die den Seitenverlauf verändern.
- Teste Deep Links manuell, indem du einen Anker in die URL einfügst (z. B.
/seite#abschnitt1) und schaue, ob du wirklich dorthin gelangst, wo du es erwartest.
Und – fast schon nebensächlich, aber trotzdem erwähnenswert – überprüfe regelmäßig die Suchergebnisse deines eigenen Brand-Keywords. Wenn du irgendwann siehst, dass dein Snippet „aufgeklappt“ wirkt und Unterlinks enthält, weißt du: Du hast alles richtig gemacht.
Fazit
„Read More“-Links sind im Grunde kein bahnbrechendes neues Feature, aber sie stehen exemplarisch für das, was Google derzeit anstrebt: strukturierten, zugänglichen Content, der den Lesern hilft, sofort das zu finden, was sie suchen. Die drei Best Practices – Inhalt sichtbar machen, Scroll-JavaScript vermeiden, URL-Hashes erhalten – sind einfache, aber entscheidende Leitlinien. Wenn du sie beherzigst, machst du es Google und deinen Besuchern leichter.
Aus meiner Erfahrung heraus lohnt sich dieser Aufwand vor allem für Seiten, die Mehrwert in Tiefe bieten. Schnelle News profitieren weniger, aber komplexe Artikel, Ratgeber, oder Dokumentationsseiten gewinnen deutlich. Und mal ehrlich: Von all den Optimierungen, die man als Websitebetreiber ständig umsetzt, ist diese hier eine der wenigen, bei der Aufwand und Nutzen noch halbwegs im Verhältnis stehen.
Manchmal vergisst man im SEO-Alltag, wie sehr Nutzerfreundlichkeit und Technik Hand in Hand gehen. Diese „Read More“-Links erinnern uns daran, dass es nicht nur um Suchmaschinen geht, sondern am Ende um Leserinnen und Leser, die Zeit sparen und gezielt Antworten finden wollen. Und genau das ist, im Kern, ja der Sinn des Ganzen.







